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"Wer ein Ziel hat, geht anders." - Perspektive August 2019 (05.19)

Perspektive 05.2019

E V A N G E L I K A L I K U S - Ein Blogbeitrag von Waldemar Grab

Foto Ackergäule: © HTR-Lizenz_AdobeStock_7135649

 

WER EIN ZIEL HAT, GEHT ANDERS.

 

Gerade hielt ich wieder die Todesanzeige meines Freundes und geistlichen Bruders Helmuth L. Egelkraut in Händen, der im November vergangenen Jahres verstarb. Der ev. Pfarrer der Württemb. Landeskirche war Professor für Theologie und Missiologie sowie Historiker und Autor etlicher theologischer Fach- u. Sachbücher. Ich lernte ihn am Anfang meines Glaubenslebens bei einem Männertag in Bad Liebenzell kennen, wo er das Bonmot in Umlauf brachte (und mit sichtlicher Freude immer wiederholte), dass er den Eindruck nicht los werde ...

" ... auf dem weltweiten Missionsfeld ein Leben lang der ‚Ackergaul‘ gewesen zu sein, ich jedoch das Zirkuspferd in der Manege des schillernden Lebens. Doch dass wir nun beide in aller Genüge unter dem Kreuz Jesu stehen dürfen, sei die unbeschreiblich schöne Gnade, die für alle gelte ...".

 

Während ich die Anzeige in den Händen hielt, stellte ich mir das, was er über uns sagte, bildlich vor. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass mein Großvater zwei Ackergäule hatte, mit denen er immer wieder ins Feld zog. Die umgeschaufelten Erdlinien sahen immer perfekt wie ein Scheitel aus und als Bub war ich überzeugt: Ackern konnte niemand so gut wie Großvater. Wenn er mit beiden Händen fest am Pflug die Spur hielt und das Ackergerät mit aller Kraft in die Erde drückte, war er hoch konzentriert. Nicht einmal den Schweiß konnte er sich von der Stirn wischen, denn wenn er nur eine Hand vom Pflug genommen oder sich nur einmal umgedreht hätte, wäre es mit Großvaters "Geradlinigkeit" vorbei gewesen.

 

"Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes." Lukas 9,62

 

Ich werde jedes Mal an Großvaters Disziplin erinnert, wenn ich diesen Bibelvers lese. Wer sich dafür entschieden hat, ein guter Arbeiter im Acker Gottes zu werden, der hat keine Wahl: Er muss ordentlich und konzentriert seine Arbeit tun. Das ständige Schauen über den Rain hinweg, neugierig immer wieder zu prüfen, ob denn z.B. auch die anderen "noch in der Spur" sind, das führt nur zu einem einzigen Ergebnis, nämlich zu krummen und schiefen Ackerrinnen auf dem eigenen Feld. Erst wenn ich mit meiner Spur fertig bin, kann ich mir einen Blick gönnen, schauen, ob es gut geworden ist oder ob ich mit der nächsten Reihe etwas anpassen muss.

 

Jesus zu folgen macht am Ende Sinn, wenn man das Ziel nicht aus dem Auge verliert. Ablenkungsmanöver und selbstverliebte Blicke zurück in die Vergangenheit, lassen uns vom geraden Weg vorbeigleiten. 

 

Ich spüre Woche um Woche, wovon ich rede. Meine evangelistischen Dienste führen mich immer wieder zurück in die glitzernde Vergangenheit. Doch ich tue das mit Jesu Geleit und Schutz, um aus den Lebenswegen von damals, Glaubenswege aufzuzeichnen, die für jeden begehbar sind.

 

Das Einmischen in die „Pflugtechniken“ anderer ist dabei eher ungeschickt. Die Zeit zum Verweilen kommt, doch geschickt ist nur der, der während der Arbeit klug das Ziel im Auge behält. Wer ein Ziel hat, geht anders.

 

„Ich halte (mit meinem Pflug) geradewegs (in aller Freude) auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen: Das ewige Leben, zu dem Gott mich durch Jesus Christus berufen hat.“ Phil. 3,14; 4,4.

 

In diesem Sinne: Fröhliches Ackern!

 

Waldemar Grab (62), Verlagskaufmann, Journalist, Kanzlerbegleiter, Traumschiffpianist, Liedermacher, Autor. Seit 2006 Evangelist im Missions- und Sozialwerk Hoffnungsträger e.V., Hartenfels. In der PERSPEKTIVE schreibt er alle zwei Monate über Beobachtungen und Erlebnisse während seiner Verkündigungsdienste. Entnommen aus seinem Blog „Evangelikalikus.blog“. Vita, Kontakt, Terminübersicht auf: www.musikevangelist.de