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Taumellolch und Weizengras

"Da traten die Knechte zum Verwalter und sprachen: 'Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn nun den Taumel-Lolch?' Er sprach zu ihnen: 'Den hat mein Feind über die gute Saat gesät.' Da sprachen die Knechte: 'Sollen wir rasch hingehen und ihn entfernen?' Er sprach: 'Nein, das ist zu früh. Wir müssen darauf achten, dass mit dem Taumel-Lolch nicht gleichzeitig auch der Weizen verloren geht. Wir lassen beides bis kurz vor der Ernte wachsen und dann werde ich den Schnittern sagen, zuerst den Taumel-Lolch zu sammeln und zu bündeln, damit er verbrannt werde, aber der Weizen soll dann, mit eurer Hilfe, in meine Scheune gesammelt werden." nach Matthäus 13:27-30 | HTR-Ü


In meiner heutigen Predigt sprach ich über das Gleichnis Jesu aus Matthäus 13: "Vom Unkraut unter dem Weizen". Hier einen kleinen Auszug daraus. 

 

Eine Reihe von Kommentatoren und auch alte Übersetzungen haben dieses Unkraut in ihren Texten näher bezeichnet, es nennt sich "Taumellolch". Hast Du diesen Begriff schon einmal gehört, geschweige denn, ihn ohne Versprecher aussprechen können: Taumel-Lolch?

 

Bis zum heutigen Tag ist dieses Unkraut im Vorderen Orient noch weit verbreitet, auch bei uns tritt es auf, jedoch nicht in dieser Intensität und Wirkung, die ich näher beschreibe: 

In Weizenfeldern ist er besonders ungern gesehen und wenn er dann noch 'vom bösen Feind' des Nachts (wann sonst?) über die frische Weizen-Saat gestreut wird, dann ist das Saat-Frevel der übelsten Sorte. Das Dumme daran: Man kann diese Unkraut-Art in den ersten Wochen des Wachstums kaum vom Original unterscheiden. Erst kurz vor der Ernte erkennt man die Unterschiede.

Einer der wesentlichsten Merkmale: Der Taumellolch hat zwar eine Ähre, trägt aber keine Früchte, also kein einziges Korn Weizen in sich und ist 10-15 cm kleiner, als das gereifte Getreide.

Das Dilemma: Die Wurzel des Lolchs wickelt sich um die Wurzel des Weizens und wenn die Ähre mit gemahlen wird, kann es zu Schwindelanfällen kommen (daher "Taumel) und das Gift des Pilzes (Lolch) gar bis zum Tode führen. Es wird auch auch als "Rauschgras oder Schwindelweizen, Tollgerste oder Tollkorn bezeichnet.

 

Die Trennung von "Original und Fälschung" kann im Frühstadium nur von erfahrenen Bauern vorgenommen werden.

Im Gleichnis Jesu untersagt der Bauer den Knechten diesen Dienst, obwohl sie dafür brennen, die Sache aus der Welt zu schaffen. Doch der Bauer ordnet an, bis zur Ernte zu warten. Dann wird das Unkraut von den Experten (Schnittern) separat gejätet, gebündelt und verbrannt und der Weizen in seine Scheune gebracht.

 

Denken Sie einmal darüber nach, wie oft wir im Alltag Original und Fälschung begegnen: Ich meine nicht die Produkt-Piraterie der Protz-Uhren und Lady-Handtaschen, die Hitler-Tagebücher oder die unzähligen "Van Gogh-Blumen". So manches im Leben steht auch im zwischenmenschlichen Bereich nebeneinander, so, als wenn es zusammen gehört - und wir erkennen den Unterschied nicht.

 

•         Ist es wirkliche Demut, die er zeigt, oder eine falsche Bescheidenheit? 

•         Ist es eine herzliche Freundlichkeit, die mir erwidert wird, oder eine verborgene Hinterlist? 

•         Ist es eine ehrliche Hoffnung, der ich folge, oder steckt dahinter eine Resignation? 

•         Ist es tiefe Gewissheit oder eine falsche Sicherheit, die du mir vermittelst?

•         Ist es der richtige Weg oder bin ich der falschen Fährte gefolgt, die direkt daneben lag?

 

Sie sehen, Taumellolch gibts überall. So vieles liegt dicht nebeneinander und ist oft sogar miteinander verwoben, dass man Original und Fälschung kaum auseinanderhalten kann.

 

Welche Kräuter gehören nicht in unseren Lebensgarten?
Welche können wir selbst "jäten", ... welche nicht? Der Bauer traut seinen Knechten viel zu, aber sie haben allein den Auftrag, sich um den Weizen zu kümmern, in diesem Fall nicht ums jäten. Das sollen am Ende die Experten tun. Ihre Hauptaufgabe soll ihre Hauptaufgabe bleiben.

 

Ich habe mir neu vorgenommen, mich nicht auf die großen Taumellolch-Felder zu konzentrieren, sondern auf den Auftrag, den ich ganz persönlich zu erfüllen habe. Alles andere begleite ich mit inständigem Gebet und überlasse es dem "Experten", dem Schöpfer aller wunderbaren Dinge.  wg

 

Hier die Deutung des Gleichnisses, von Jesus selbst den Jüngern ausgelegt:

Matthäus 13:36-43 Lu84 | "Da ließ Jesus das Volk gehen und kam heim. Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker. 37 Er antwortete und sprach zu ihnen: Der Menschensohn ist's, der den guten Samen sät. 38 Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen. 39 Der Feind, der es sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel. 40 Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird's auch am Ende der Welt gehen. 41 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein. 43 Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat, der höre!"

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Kommentare: 2
  • #1

    Heidi (Dienstag, 23 Juli 2019 16:12)

    Ein sehr guter Vergleich mit den Problemen der Welt. - Das Wort hat meinen Horizont erweitert - kannte ich nicht.
    Kleine Korrektur: "ums Jäten". weil hier Jäten zum Hauptwort geworden ist: um das Jäten...
    Ja, ich weiß, doof die Heidi.

    Liebe Grüße
    super Predigt und Dank!

  • #2

    Gerd F. (FeG) (Samstag, 14 September 2019 11:43)

    Danke Dir, hat mich sehr angesprochen! Freu mich schon aufs Weihnachtskonzert!