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Eine Richtigstellung Jesu ... (Bibelarbeit)

Den Text in grüner Schrift konnten Sie bereits im Montagsbrief Nr. 837 lesen.

 

"Nicht ihr habt mich, sondern ich habe euch ausgewählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt ..."   Johannes 15,16

Als ich an diesem riesigen Erdbeerfeld in der Nähe unseres Pfarrhauses vorbeifuhr,  hielt ich an, um ein paar Pfund zu erwerben. Die immer recht fröhliche Inhaberin des Feldes steht seit vielen Jahren in der selbst gezimmerten Verkaufsbude, doch in diesem Jahr schaut sie nicht sehr glücklich aus.

50% der Ernte, so sagt sie, seien trotz umfangreicher Fleece-Abdeckungen und sonstiger Schutzmaßnahmen, kurz vor Saison-Eröffnung Mitte Mai, erfroren. Fünfzig Prozent! Auch seien die Ernte-Helfer nicht gekommen und auf eine Anzeige hin hätten sich für die Pflück-Arbeiten im Grunde nur körperlich ungeeignete Personen gemeldet. Und auch die Kunden wollen nicht mehr unbedingt selbst pflücken, weil sie alle in Eile sind ... und nun spiele sie mit der Entscheidung, ‚aufzuhören‘.

 

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"Nicht ihr habt mich, sondern ich habe euch ausgewählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt ..."  Johannes 15,16

 

Beim Lesen dieses Lehrtextes aus der heutigen Losung musste ich an das Gespräch denken. Mir kamen dabei bei weiterem Nachdenken Dinge in den Sinn, die durchaus geistlich anwendbar sind und den Bibelvers in einer anderen Sichtweise erläutern können.  Folgen Sie dieser kleinen Bibelarbeit:

 

1. Die Geschäftsfrau aus der obigen Begebenheit trifft völlig autark die Entscheidung, zu pflanzen, zu ernten, zu verkaufen oder - eben auch damit aufzuhören. Sie muss niemanden fragen oder um Erlaubnis bitten, sie kann es tun, oder die Probleme anpacken, lösen ... oder auch nicht.

 

A. Die geistliche Seite: Allen Menschen steht Gottes freier Wille zur Verfügung, sich zu Lebzeiten für oder gegen etwas oder IHN zu entscheiden. Auch die Entscheidung etwas zu tun oder es zu lassen, mit etwas anzufangen oder aufzuhören ist uns frei gestellt. Die Bibel kennt für den Menschen und insbesondere die Gläubigen nur diese beiden Optionen.

Ein Lau [1] gibt es nicht, nur ein Ja oder ein Nein [2].

 

Wenn es um den Auftrag der „Verkündigung geht“, stellt Jesus im obigen Vers richtig, dass nicht wir es sind, die sich selbst dazu ‚erwählen‘ oder selbst den Auftrag geben, sondern dass es immer ER ist, der auswählt und bestimmt. Achten Sie einmal auf die Zeugnisse: Wie oft hören wir "... und dann habe ich mich für ein Leben mit Jesus entschieden." 
Aus der Sicht des freien Willens absolut richtig. Doch die Vorgeschichte ist, dass ER uns dazu ausgewählt hat, SEIN Nachfolger zu sein.

 

Wer diesen Auftrag der Nachfolge persönlich von IHM erhalten hat, bleibt dran, auch in schwierigsten Zeiten.

Wer aufhört oder nicht mehr kann, aus welchen Gründen auch immer, wird abgelöst oder bekommt eine neue Aufgabe.

Das Missionsfeld jedoch bleibt.

 

2. Was in Sachen des Erdbeerfeldes geschieht, passiert ausschließlich zum eigenen Nutzen. Die Verkäuferin hat all ihr Wissen vom Pflanzen, Ernten und Verkaufen umgesetzt und spekuliert nun mit dem Verkaufserlös. Die Käufer dagegen rechnen ausschließlich mit dem Genuss der Früchte. Selbst wenn man sie für andere mitbringt, z.B. um sie weiterzuverarbeiten, sind sie für den puren Eigengenuss vorherbestimmt.

 

B. Die geistliche Seite:  Es bedarf auch auf dem Missionsfeld in Deutschland und der Welt einer guten bis sehr guten Fachkenntnis der Bibel, einem ausgeprägten Wissen über Gottes Heilsplan mit der Welt und den Menschen sowie eine gewisse Kenntnis über Körper, Seele und Geist, vor der Entscheidung und danach, um Menschen zum Glauben zu führen.

 

Dass ein Diener Jesu nicht auf das Ernten der Früchte aus seiner Arbeit zu spekulieren hat, ist das größte Lehrstück in der Nachfolge. Er hat ausschließlich die Aufgabe, auf die Qualität seiner eigenen Arbeit zu achten. Nicht auf die Arbeit anderer auf anderen Feldern und auch nicht auf die Größe und Schönheit der Früchte anderer. Es geht allein um „seinen Auftrag“, so gut wie möglich, mit seinen Kräften und seinem Können das Feld zu bestellen, damit am Ende die Ernte für Christus gut ist. 

 

Es ist etwas Wunderbares, wenn wir uns darüber freuen können, wenn Menschen zum Glauben kommen. Der ganze Himmel jubiliert, wir dürfen es auch (Luk. 15,7.10: 7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über (nur) einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht (mehr) bedürfen (Lu). 10 Genauso herrscht Freude bei den Engeln Gottes, wenn auch nur ein einziger Sünder bereut und auf seinem Weg umkehrt (GNB).“

 

Das Wesentliche an der Ernte ist, dass die Früchte nur Jesus und dem Vater zustehen. Sie werden an der Frucht erkennen, wie wir gearbeitet haben. Jesus mahnt in Matthäus 3,8: „Seht zu, bringt rechtschaffene Frucht der Buße!“ (Lu84) - und die NGÜ übersetzt: „Bringt Frucht, die zeigt, dass es euch mit der Umkehr ernst ist!“ 

 

In Matthäus 12,33 sagt der HERR: „Entweder: Der Baum ist gut - dann sind auch seine Früchte gut. Oder: Der Baum ist schlecht - dann sind auch seine Früchte schlecht. An der Frucht also erkennt man den Baum.“ (EÜ)

 

Und auch Matthäus 7,20 ist uns bekannt: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“.

 

3. Das Einpflanzen der jungen Erdebeer-Stauden, das Wachstum, der Reifeprozess, die Ernte, der Verkauf, das Einpflügen der Pflanzen, die neuen Pflanzen ... Alles hat im Lauf der Jahreszeiten seinen Platz.

 

C. Die geistliche Seite:  Prediger 3 sagt es uns immer wieder: Alles im Leben auf der Erde hat seine Zeit. Auch im Zeugnis für Jesus. Das Bücher- und Traktate schreiben; das Verteilen derselben; das Bibeln auslegen in Hotels, die Predigten sonntäglich in den Kirchen und Gemeindehäusern, die Vorträge in den unzähligen Evangelisationen in unserem Land.

 

Aber auch, dass Menschen im richtigen Augenblick das Buch oder das Traktat lesen; zur Bibel greifen, weil sie im Hotelzimmer liegt; zum Vortrag oder zur Predigt gehen, weil sie einer Einladung oder einer inneren Eingebung folgen.

 

Das eine planen und organisieren die Menschen, das andere geschieht über den Heiligen Geist unseres Herrn. 

Nur Gott kann beides passend machen. Wir verkünden, ER lenkt die Menschen und öffnet ihr Herz (s. a. die Geschichte der Lydia [3] ).

 

Das Ansprechen Gottes kann einmal passieren - oder immer wieder.

Manche Kommentatoren nehmen die Aussage Elihus in seiner ersten Rede gegen Hiob wörtlich: „Sieh, alles das pflegt Gott zu tun, zweimal, ja dreimal mit dem Menschen.“ 

Doch sollte man die Gnade Gottes nicht auf Menschenzählerei herabstufen. So hat es, was mich angeht, Jahre gebraucht, bis ich nach unendlichen Ansprachen Gottes, die ich nicht mehr zählen kann, ein Ja für IHN gefunden habe. Doch richtig ist: ER kann dich einmal ansprechen oder 100 Mal. Aber ER kann von heute auf morgen auch aufhören damit.

 

Es ist nicht wichtig, wieviel wir tun und wie wir es tun. Ein jeder auf seine Weise und nach seinen Gaben. Aber wir sollten es richtig tun, redlich und auf eine ehrliche, Gott ehrende Weise. 

 

Ein Erdbeerfeld kann man umgraben, brach liegen lassen oder mit anderem Saatgut bestreuen. Das Missionsfeld nicht. Die Früchte sind die Seelen der Menschen und das Feld ist Deutschland und die Welt. Früchte, Feld und Besitzer sind nicht austauschbar. Passen wir auf, dass das, was uns anvertraut ist, nicht umkommt, so wie die halbe Ernte in unserer obigen Geschichte. wg 

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[1] Der Gemeinde in Laodizäa wurde gesagt: „Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! So, weil du lau bist und weder kalt noch warm, so werde ich dich ausspeien aus meinem Mund.“ Offenbarung 3,15f

 

[2] Jesus in der Bergpredigt: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.“ Matthäus 5,37 -

sowie Jakobus in Kp. 5,12: „Vor allen Dingen aber, meine Brüder, schwört nicht, weder bei dem Himmel noch bei der Erde noch mit einem andern Eid. Es sei aber euer Ja ein Ja und euer Nein ein Nein, damit ihr nicht dem Gericht verfallt.“

 

[3] Apostelgeschichte 16,14 "Und eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf, sodass sie darauf Acht hatte, was von Paulus geredet wurde."