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Quasi. Quasimodo. Quasimodogeniti.

Den "grünen Textbereich konnten Sie bereits im "Montagsbrief Nr 831" lesen.

Am Ende meine Stellungnahme zu den zahlreichen Leserbriefen.

Fotos: HTR-Einzellizenzen: (1) Quasimodo, Gemälde von Antoine Wiertz, Wiki gemeinfrei; (2( Notre Dame de Paris ravagée par les flammes AdobeStock_262245027; (3) Introitus des Sonntags Quasimodogeniti aus dem Petrusbrief 'Wie neugeborene Kinder, Halleluja, verlangt nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, Halleluja`, gemeinfrei; (4) Säugling AdobeStock_127079575; (5) Herrnhuther Losung 29.04.2019.

Montage: HTR/wg

 

Als ich heute, eine Woche nach dem Auferstehungssonntag, in der Losung die Überschrift "Quasimodogeniti" las, gingen meine Gedanken zurück in die Zeit des Abendgymnasiums. Dort spielten wir große Strecken aus dem Stück "Der Glöckner von Notre Dame" von Victor Hugo. Auf den Treppen der Pariser Notre Dame, einen Sonntag nach der Auferstehung Christi von seinem späteren Adoptivvater Claude Frollo mit 4 Jahren gefunden und mit dem Namen Quasimodo getauft, zog es diesen immer wieder zur Kathedrale zurück. Die Glocken, die er regelmäßig läutete, machten ihn taub, doch die Pariser liebten diese Klänge, die über die ganze Stadt wehten. Ihn selbst verachteten sie jedoch wegen seiner Hässlichkeit.

 

Ich muss Dir nicht sagen, welche Rolle ich in dem Stück damals spielte ... aber keine Sorge, es hat keine bleibenden Schäden hinterlassen. Sagt meine Frau.

 

Dann kamen mir die Bilder von Mitte April in den Sinn, wo diese weltberühmte Kathedrale Notre Dame in Flammen stand. Alle Welt trauerte um das Haus und innerhalb von drei Tagen hatte man bereits nahezu 1 Milliarde Euro als Spendenzusagen erhalten, um diesen "historischen Schatz" wiederherzustellen.

Ganz ehrlich: Es störte mich dabei etwas ganz gewaltig. ...

 

Nein, nicht der brennenden Balken wegen ärgerte ich mich, es ist immer traurig, wenn Kulturschätze verloren gehen, sondern darüber, dass die Welt sich in Frankreich ihres schlechten Gewissens entledigen und sich gegen eine Spendenquittung mit bis zu 60% Steuererleichterung an der Wiedererrichtung dieses historischen Hauses ein Denkmal setzen will. Eine Industrienation kann sich dies erlauben, keine Frage. Doch was dahintersteckt, ist fragwürdig.

Bei dem Erhalt der „Original Dornenkrone Christi“, angefangen, die der im Alter von 12 Jahren ernannte König Ludwig von Frankreich 1239 angeblich aus Israel mitbrachte ... (sie wurde Christus vermutlich behutsam von Josef von Arimithea abgenommen, ein Mitglied des Hohen Rates und heimlicher Jünger Jesu, als dieser ihn vom Kreuz nahm und in sein Familiengrab legte) - diese "Krone" ist genauso ein trauriges Relikt aus alter Zeit, wie der "Heilige Rock", der in Trier stets tausende von Pilgern anlockt.

 

Ein Modezar spendet medienwirksam 100 Millionen Euro und wird wenige Stunden darauf von einem Konkurrenten mit 200 Millionen überboten. Tue Gutes und rede darüber. Die stillen Schweigemärsche der Franzosen dagegen, als Reaktion auf dieses Unglück, sprechen eine andere, immaterielle, demütigere Sprache.

 

Bevor Jesus in der Passionswoche aus dem Tempel hinaus und auf den Ölberg hinauf ging, zeigte er seinen Jüngern im „Hof der Frauen“ die Spendenkästen und lehrt sie, wie das rechte Spenden auszusehen hat (Markus 12).

 

Die Welt überschlägt sich mit Beileids-Bekundungen für ein irdisches, vergängliches Ding und lobt das Versprechen des französischen Präsidenten, das „Gotteshaus“ in 5 Jahren wieder aufzubauen.

 

Wie viele kulturelle Schätze wurden in den vergangenen zehn Jahren unwiederbringlich von den ISIS-Schergen zerschlagen und zerstört? Ein Affront der Menschheit gegen die Menschheit.

Ich telefonierte diese Tage mit einem, der mich jahrzehntelang durch die Welt begleitet hat und wir waren uns einig, dass wir zumindest die Bilder dieser verloren gegangenen, irdischen Schätze in unserem Kopf niemals löschen werden.

 

Heute weiß ich auch, dass alles Sichtbare vergänglich ist und nur das Unsichtbare ewig bleibt. Die Erinnerung, das Gott mir „Gutes getan hat“ (Ps. 103) und ich einmal in der Ewigkeit sein darf, die ist die Wichtigere. Dass ich als erwachsener Mann mit dem Blick auf JESUS CHRISTUS neu anfangen durfte, wie ein neugeborenes Kind, quasi, ... das ist das Wunder meines Lebens. 

 

Von Quasimodo gedanklich weiter zu Quasimodogeniti: "Wie die neugeborenen Kindlein", heißt es übersetzt.

Ja, das sind wir nach seiner Auferstehung tatsächlich geworden, als wir das JA zu IHM fanden. Rein - und mit der allumfassenden Vergebung unserer Trennung von Gott, der ursprünglichen Sünde, die bei IHM am Kreuze hängen blieb, wie ein Schuldzettel.

 

Es tut gut, sich gedanklich immer wieder einmal zurückversetzen in den Moment, wo wir zu Jesus gefunden haben. Diese Neuauffrischung des Geistes, dieses Update des Neuanfangs, gehört zum täglichen Christenleben dazu. Auch wenn die „große Schuld“, diese Urtrennung von Gott, für immer aufgehoben ist, die täglichen Verfehlungen bleiben.

Lasst uns die täglich aufräumen, damit wir nichts im Weg liegen haben, über das wir stolpern könnten.  wg

 

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres HERRN Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“

1. Petrus 1,3 

Vielen Dank für die zahlreichen Stimmen, die mich im Nachgang per E-Mail, WhatsApp, Fax - oder auch hier erreicht haben. Ich nehme kurz Stellung dazu:

 

Selten wurde ein Artikel in den ersten drei Tagen so oft angeklickt und kommentiert, wie zu dem obigen Blog-Artikel "Quasi.Quasimodo.Quasimodogeniti. Viele schrieben mir ihre Gedanken dazu, (so hat z.B. eine Aidlinger Schwester ihre drei Schildkröten Quasi, Modo und Geniti benannt). 

 

Einigen Schreibern fehlten die menschlichen Tragödien hinter den von mir erwähnten, in den Siebzigern und Achtzigern häufig besuchten und heute verloren gegangenen Kulturdenkmälern, in den Regionen Euphrat und Tigris bzw. Syrien und Irak von der ISIS gesprengt.

 

Andere legten den Schwerpunkt auf die "Geniti Infantes" (gerade geborenen Kindlein) und vermissten den Hinweis auf die ungeborenen Kindlein, die wöchentlich tausendfach zur Tötung bzw. Ermordung freigegeben werden.

 

1. Quasi Modo. Die Christenverfolgung der ISIS, die Folter und die Ermordung der hunderttausenden von Glaubensbrüdern und -schwestern ist die schmutzigste wie teuflischste Machtausübung (Satan: Fürst dieser Welt), die es auf der Erde gibt.

Und doch kommt es uns so vor, als wenn es eben erst geschieht (quasi modo) und es noch nie so grausam war, wie heute. - Doch wir wissen, dass es schon immer grausam war und können nur inständig und aufrichtig beten, dass Gott Einhalt gebietet. Doch bis der Herr Jesus wiederkommt, gibt es 'nichts Neues unter der Sonne', auch wenn wir es so wahrnehmen.

Der Trost: Die getöteten Christen sind nicht tot. Ihre Leiber gingen den irdischen Weg. 

Ihr Geist ging in Gottes Hände zurück und ihre Seelen sind errettet und warten auf die Entrückung.

Die Traurigkeit: Bei denen, die nicht Christen waren, als sie getötet wurden, ist der Geist tot und endet mit der Verwesung des Leibes, weil er, wie es bei einer Entscheidung für Jesus Christus geschieht, nicht vom Heiligen Geist belebt wurde und zurück in Gottes Hände gehen kann. Ihre Seele lebt jedoch und wartet auf das Gericht.

 

2. Geniti Infantes. Der legitimierte Kindermord ist eine täglich neue Provokation gottloser Führer an den Schöpfer. Es ist nach der Juden-Vernichtung die gefühlt größte Sünde unseres Landes und ich frage mich wirklich, wann die Gnadenzeit in unserem Staat vorbei ist. Doch auch hier gilt, wie für den ersten, oberen Abschnitt: 

Wir können die Welt nicht retten, aber unser Umfeld mit Jesus bekanntmachen.

Wir sind betrübt und doch vergnügt. Wir sind gebunden und doch erlöst. Wir leben innerhalb der Gefängniswände unserer liberalen und sündigen Gesetze und sind doch befreit.

Der Geist der getöteten Kinder ist wie ihr Leib: tot. Doch ihre Seele lebt und wartet auf die Gnade, die für die Ungeborenen nach meiner Überzeugung, wie auch bei den gläubigen Märtyrern, eine besondere sein wird. Es gibt Kommentatoren, die dies anders sehen. Lassen wir beides stehen, wir werden es erfahren.

 

3. Der Montags-Impuls hatte die gotteslästerliche Verehrung der materiellen Kulturgüter sowie die sündige Vernachlässigung der Hilfsbedürftigen im Blick und ist diesem Thema gefolgt. Bei einer Erweiterung auf die erwähnten Punkte wäre ein Aufsatz daraus geworden.

 

Ich hoffe, ich konnte ihnen mit dieser ergänzenden Einschätzung weiterhelfen. wg

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Kommentare: 4
  • #1

    Ulli Berghaus (Sonntag, 28 April 2019 22:12)

    Das war sehr ehrlich, danke, Waldemar! Gruß von Ulli und Gert

  • #2

    Sr.Renate Thees (Montag, 29 April 2019 08:00)

    Ja, das ist wahr. das Denken an den ersten Tag im neuen Leben, erfreut die Seele und gibt neuen Schwung.
    Ja, das ist ein guter Tipp, sofort aufräumen! Lasst uns in der ersten Liebe bleiben, dann bleibt die Freude am HERRN unsere Stärke.

  • #3

    Helga Schäfer (Montag, 29 April 2019 08:50)

    Lieber Waldemar,
    liebe LeserInnen,
    auch mich "störte" die Spendenwelle gewaltig.
    Was mich aber an deiner Auslegung hier iritiert ist der Fakt, dass auch du dich nur auf "Materielles" beziehst, was u.a. auch dein Vermerk zur ISIS betrifft.
    Ich finde es traurig, dass für "diese Steine" eine Milliarde gespendet wird, aber bei Naturkatastrophen oder Terroranschlägen, WO MENSCHEN!!!!! zu Schaden kommen, wenn überhaupt, nur marginale Beträge im Vergleich gespendet werden.
    KEINER SPRICHT VON DEN MENSCHEN!!!
    Und den Bezug, resp. Vergleich zu uns Gottesgeschöpfen vermisse ich auch in deinem Text.
    Ich wünsche uns allen eine gesegnete Zeit und die Kraft, unsere Herzen angstfrei öffnen zu können um in Achtung und Respekt im gegenseitigen Miteinender bedingungslose!!!!! (Menschen-) Liebe leben zu können
    Herzlichst
    Eure Schäferin

  • #4

    Reingard (Montag, 29 April 2019 10:23)

    Lieber Waldemar
    Die gleichen Gedanken wie du hatte ich nach dem Brand Notre Dame.
    Wieviele Menschen leiden Not, da überbietet sich Niemand mit Spenden!
    Die Freude am Herrn ist unsere Stärke, wenn wir in seiner Liebe bleiben; das ist ein wahrer Satz!
    Danke für den Monatsbrief!

    Eine gute neue Woche und herzliche Grüsse
    Reingard