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III Mittwoch der Karwoche | Lese- u. Hörversion

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HÖRVERSION Passionstext Mittwoch
"So eine Verschwendung!" ... Die Geschehnisse in der Karwoche aus den Evangelien, chronologisch zusammengestellt und gesprochen von Waldemar Grab

Anm.: Die Texte wurden mit einem kleinen Diktiergerät im Büro aufgenommen, gelegentliche Nebengeräusche und 'Plops' bitten wir zu entschuldigen.
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Passionstext 3 | Mittwoch | 

Foto: HTR-Lizenz_AdobeStock_142399942

Maria salbt Jesus mit teurem parfümiertem Öl, eine Collage aus der Gravur der Nazarener-Schule, veröffentlicht in der Heiligen Schrift, St. Vojtech, Trnava, Slowakei, 1937.

 

"So eine Verschwendung!"

Zachhäus kommt in Jericho zum Glauben, der lange Fußmarsch nach Betfage und Bethanien, der triumphale Einzug in Jerusalem, die Sache mit dem Feigenbaum, die langen Auseinandersetzungen und Predigten Jesu im Tempel, die Übernachtung auf dem Ölberg mit dem wunderschönen Blick zum Tempel ... Eindrücke und Erlebnisse die den Weg nach Golgatha vorbereiten ... Das waren eine Fülle von Ereignissen, so kurz vor der Gefangennahme - und es sollte noch aufwühlender werden, als bisher.

 

Danke, dass Sie wieder dabei sind, ich wünsche Ihnen gesegnete Minuten, an diesem Mittwoch, zwei Tage vor der Kreuzigung ...

 

Die Jünger hatten mit Jesus nach einem langen Tag im Tempel die Nacht unter freiem Himmel verbracht. Nicht ganz so bequem, wie bei Lazarus, Magda und Maria, aber es tat gut. Auch das Gespräch mit Jesus über die Zukunft des Tempels und der Welt war äußerst aufschlussreich und sie hätten noch stundenlang weiter zuhören können, aber sie brauchten den Schlaf.

 

Jetzt galt es aufzustehen und den Tag, wie immer mit Dank und Lobpreis zu beginnen. Es war noch früh und sie konnten vom Berg aus sehen, wie die Menschen schon in Scharen zum Tempel kamen, um den Meister wieder zu hören. ER predigte das Evangelium in solch einer Vollmacht, dass selbst die Jünger nur staunen konnten. 

 

Als Jesus seine Reden im Tempel am Nachmittag beendet hatte, nahm er die Jünger noch einmal beiseite um sie zu erinnern: „Nur noch zwei Tage bis zum Passah-Fest ... und ich habe es Euch gesagt: Dann werde ich ausgeliefert und gekreuzigt ..."

 

Während Jesus im Tempel seinen Dienst tat, hatten sich die Hohepriester und Schriftgelehrten mit den Ältesten des Volkes im Palast von Kaiphas, dem Hohepriester, getroffen um am Ende den Beschluss zu fassen, Jesus festzunehmen und zum Tode zu verurteilen. Doch sie wollten unbedingt warten, bis die Festtage vorbei waren, um einen Aufruhr im Volk zu vermeiden. Es waren nämlich nicht nur Besucher des Passahfestes in der Stadt, sondern auch die, die das gleich anschließende ‚Fest der ungesäuerten Brote' erleben wollten. Die Einhaltung der Reihenfolge der Feste war in den Gesetzen (der Tora (hebr.) alias Pentateuch, griech.) genau festgelegt. Interessant, dass die sog. ‚Ältesten des Volkes‘ dabei nicht die Meinung des Volkes transportieren, sondern die Meinung der Gesetzeslehrer und Hohenpriester übernahmen. Verräter, Mitläufer und auf den eigenen Vorteil bedachte ... sie gab es schon immer und wird es wohl immer geben. "Es gibt nichts Neues unter der Sonne", sagt Salomo.

 

Die Jünger freuten sich, mit Jeshua wieder nach Bethanien zu gehen. Heute waren sie nämlich bei Simon, dem von Jesus geheilten Aussätzigen, zum Essen eingeladen. Das sollte ein Festmahl werden! Mal was anderes als Datteln.

Das schönste waren einfach diese Oasen der Ruhe, wo sie mit ihrem Meister alleine sein konnten. Relativ alleine, denn auch diese Begebenheit werden sie nicht vergessen. Es sollte ein Erlebnis werden, von dem Jesus sagen würde, dass man es immer und überall in der Welt dort erzählen wird, wo die Gute Nachricht verkündet wird ...

 

So lagen sie also in Simons guter Stube, zum Dinner bereit. Der Tisch war groß genug, damit sie alle daran passten. Aber er war, wie üblich, auch sehr niedrig, so dass man nur zu Tische liegen konnte. Die Beine nach hinten weg gestreckt, auf dem linken Ellenbogen abgestützt und mit der rechten Hand zugegriffen und das Essen zum Mund geführt.

 

Und während sie aßen und redeten, kam Maria, Lazarus´ und Marthas Schwester, mit einem langstieligen, marmorähnlichen Gipsgefäß (Alabaster genannt), kniete sich dazu und begann Jesus mit dem darin befindlichen Öl zu salben. Zuerst die Haare, dann die Füße.

 

Vermutlich war es der Geruch dieses Öls, der die Jünger ärgerlich werden ließ, weil sie den materiellen Wert dieser Salbung erkannt hatten. Es waren gut 350 Gramm Narde-Öl, gewonnen aus einer Pflanze, die in den Bergen des Himalaja (!) in rund 4.000 Metern Höhe wächst.

Schon zu Salomos Zeiten handelte man in Ägypten und im Vorderen Orient mit diesem sehr teuren Öl, das auch zur Herstellung von Salben verwandt wurde. Nach dem Buch Salomos, dem Hohelied, war es „der Duft der Liebe“. Für diese Menge hätte ein normaler Arbeiter ein ganzes Jahr (!) arbeiten müssen!

 

Gleich mehrere Jünger machten ihrem Unmut Luft. "So eine Verschwendung!"

Namentlich genannt wird jedoch nur Judas, „weil er sich nicht um die Armen sorgte, die man mit dem Geld hätte versorgen können, sondern ein Dieb war“. Doch Jesus selbst blickte weiter, als auf den materiellen Wert. Das, was seine Männer als Verschwendung ansahen, war für Jesus ein gutes Werk. Für IHN war dies der erste Schritt, seinen Körper mit dieser Salbung auf das Grab vorzubereiten.

Die Stimmung schien dahin. Auf der einen Seite sahen sie es auch so wie Judas, Schuft hin oder her, als Verschwendung an, auf der anderen Seite wurden sie an die Worte von heute Morgen erinnert, wo ihr HERR ihnen gesagt hatte, dass er sterben würde.

 

Bis zum Abend gingen sie ihren Gedanken nach. Judas aber war in seinem Zorn über dieses Ereignis so in Rage, dass der Teufel Gelegenheit hatte, in ihn zu fahren. Er machte sich flugs auf den Weg nach Jerusalem zurück, um den Rabbis den Verrat an Jesus „zu verkaufen“. Als Dank gaben sie ihm „30 Silberlinge“. Ein Spottpreis. Im Vergleich zu Marias Öl, war es nur etwa ein Zehntel davon wert. Sollte sich in diesem Augenblick die Prophetie aus Sacharja 11,12 erfüllen?

 

## Ja, denn in Matthäus finden wir in Kap. 27,9f. das letzte, sogenannte „Erfüllungszitat“ dieses Evangeliums: >>Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht: »Sie haben die dreißig Silberlinge genommen, den Preis für den Verkauften, der geschätzt wurde bei den Israeliten, und sie haben das Geld für den Töpferacker gegeben, wie mir der Herr befohlen hat« (Jeremia 32,9; Sacharja 11,12-13). <<

 

Die Stimmung war aufgewühlt, als sie die wenigen Schritte zum Haus der Freunde gingen, um dort wieder zu übernachten. Am besten gleich schlafen legen, als mit Maria weiter über diese Sache zu diskutieren. Außerdem war Jesus schweigsam geworden und sie wussten ja nun, wie Er über darüber denkt. "Sie hat Gutes an mir getan", hatte Er gesagt. Das soll die Hauptsache sein. Und sie waren auch müde, denn morgen gäbe es wieder eine Menge zu organisieren und zu bedenken. Der Meister sucht nämlich einen Raum fürs Passah-Mahl.

 

Bleiben Sie nachdenklich!  Ihr Waldemar Grab

 

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