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II Dienstag der Karwoche | Lese- u. Hörversion

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Passionstext Nr 2 HÖRVERSION zum Download / DIENSTAG
Ein langer theologischer wie mental anstrengender Tag für die Jünger endet mit der Belohnung eines wunderbaren Blicks auf den Tempel. Doch es kommt anders, als sie es sich denken ... Recherchiert und gelesen von Waldemar Grab
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Passionstext 2 | Dienstag | 

 

Auch heute, am Dienstag, stand Jesus früh auf und machte sich mit seinen Jüngern auf den Weg von Bethanien nach Jerusalem. Das waren gerade mal 2,7 Kilometer. Ein Klacks, wenn man bedenkt, wie viele hunderte von Kilometern sie in den aktiven Jahren gemeinsam zurückgelegt hatten.     HTR-Lizenz_AdobeStock_52074881

 

Jesus mochte den Ort, wo sie schliefen. In Bethanien lebten sein Freund Lazarus, Martha und Maria. Auch das Haus von Simon, dem ehem. Aussätzigen, war dort. Außerdem lebten hier auch eine Reihe von „Essenern“, die der Lehre Jesu sehr nahestanden. Alles Dinge, die IHM und den Jüngern nach anstrengenden Tagen gut taten, ein Stück Heimat gaben.

 

Auf dem Weg in die Stadt kamen sie auch wieder an dem Feigenbaum vorbei, der mit seinen Blättern gestern mehr Schein als Sein war. Die Jünger sahen es schon von weitem: Der Baum war über Nacht bis zu den Wurzeln verdorrt und verdutzt fragten sie, wie das geschehen konnte. 

                    ## Aber waren sie denn gestern nicht dabei, als Jesus den Baum verflucht hatte? Sie wussten doch schon seit drei Jahren, dass ihr Meister ein HERR der Wunder ist. Und trotzdem waren sie verwundert, dass der Baum auf Jesu Geheiß hin verdorrte? - Und war ICH denn, weitergedacht, nicht dabei, als Jesus mir in den letzten Jahren immer wieder Verheißungen zusprach, Hilfestellungen gab, mich gesund machte und mich versorgte? Muss ich IHN wirklich immer wieder nach dem Warum fragen, wenn ich doch selbst dabei war?

 

Jesus macht seinen Männern Mut und erklärt ihnen geduldig ein weiteres Mal, dass das, was im Glauben erbeten wird, auch geschieht. Allerdings muss etwas vorausgehen und so deutlich hatte er es bislang noch nicht gesagt: Wer als Nachfolger Jesu etwas erbittet, muss zunächst allen vergeben, die etwas gegen ihn haben!

Das ist die Voraussetzung dafür, dass GOTT auch ihre Verfehlungen vergeben kann. 

 

Wie es schien, sollte es wieder ein lehrreicher Tag für die Jünger werden. Obwohl Jesus wusste, dass es in aller Kürze so weit sein wird, lehrte er weiter im Tempel, um auch noch die letzten in der Heiligen Stadt während seiner Erdenzeit mit dem Evangelium zu erreichen. Alle spürten: Da ist Vollmacht vorhanden! Auch die Hohenpriester und die Schriftgelehrten spürten es: „Sag, wer hat dir den Auftrag und die Vollmacht gegeben, so zu predigen?“ fragten sie und Jesus stellte ihnen, wie so oft schon vorher, eine Fangfrage: „Taufte Johannes im Auftrag Gottes oder im Auftrag der Menschen?“

Es lag nahe, dass sie ihm antworten würden „im Auftrag Gottes“, doch dann, das wussten sie, würde Jesus fragen: „Warum habt ihr ihm nicht geglaubt, (als er sagte: " ... Er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt. Der wird nach mir kommen, und ich bin nicht wert, dass ich seine Schuhriemen löse." Johannes 1,26-28)

 

Die Sache war knifflig. Würden sie nun sagen, dass Johannes im Auftrag von Menschen handelte, würden sie ihren Zorn auf sich ziehen und wohlmöglich gesteinigt werden, denn das Volk glaubte daran, dass der Täufer ein Prophet war. Und so überließen sie Jesus die Antwort, der jedoch an dieser Stelle verschwieg, von wem ER die Vollmacht erhalten hat.

 

Die Jünger hörten staunend zu. Es sollte tatsächlich einer der längsten Tage werden, die sie im Tempel verbringen würden. Jesus lehrte, versöhnte und ermahnte, benutzte Bilder, um die Schuld der Pharisäer aufzudecken und die Scheinheiligkeit der Schriftgelehrten. Er stellte Fangfragen und parierte sie im Gegenzug in kluger und göttlicher Weisheit.

 

Die Gleichnisse der ungleichen Söhne, des bösen Weingärtners und der königlichen Hochzeit waren an seine Kritiker gerichtet, die langsam unruhig wurden. Die Fragen nach dem „Zinsgroschen“, der „Auferstehung“, dem „höchsten Gebot“, dem „Davidssohn“ und am Ende die legendären „Weh-Rufe“ gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer, das alles blieb nicht ohne Folgen.

 

Und so formierten sie sich, denn sie spürten, dass Jesus genau sie mit den Gleichnissen in die Enge trieb.
Die Opposition wuchs, und die, die vorher Gegner waren, schlossen sich zusammen: Die nationalistischen Pharisäer; die liberalen Sadduzäer mit den gehobenen Priesterfamilien in ihren Reihen sowie die Herodianer als Anhänger des Herodes Antipas. 

 

Jesus verlässt mit seinen Jüngern den Tempel, nicht ohne noch im Vorhof für die Frauen, wo 13 Kollektenbehälter, an der Mauer verteilt, stehen, Halt zu machen. ER erklärt ihnen am Beispiel der armen Witwe, worauf es wirklich ankommt, bei der Kollekte. Nicht die Quantität ist gefragt, sondern ein ehrliches, aufrichtiges Herz. 

 

Einige Griechen (Gottesfürchtige genannt) wollen Jesus sehen. Sie nahmen an den jüdischen Gottesdiensten teil und hielten die Gesetze des Moses teilweise ein. Im Gegensatz zu den zum Judentum konvertierten und ‚beschnittenen‘ Heiden, durften sie vom Passahlamm nichts essen. Aber auch sie wollten Jesus unbedingt kennenlernen. Immerhin hatte E'R ja zwei Jünger, Andreas und Philippus, die einen griechischen Namen trugen, vermutlich geprägt und benannt unter Beeinflussung der griechischen Zivilisation in Galiläa. Die würden ihnen sicher einen „Termin“ bei Jesus geben.

 

Doch Jesus empfängt sie scheinbar nicht. Er sieht als Einziger: Jetzt ist es soweit. Aus dem sich schon seit Monaten ankündigenden Strom der nichtjüdischen Völker nach Jerusalem sieht Jesus sein Sterben und sein Auferstehen als Notwendig an, um nunmehr nicht nur die Juden, sondern auch die Welt mit Gott zu versöhnen.

 

ER verlässt mit den Jüngern den Tempel, um sich zurückzuziehen.

Am Ölberg dann noch einmal der letzte Blick zurück (s. Foto) und er erklärt den begeisterten Jüngern, dass schon bald kein Stein mehr auf dem anderen bleiben wird, was sich 37 Jahre später, 70 n.Chr., dann auch erfüllen sollte. 

 

Jesus erläutert ihnen noch einmal anhand des Gleichnisses der zehn Frauen, von denen fünf das Öl vergaßen, wie wichtig es ist, wachsam zu sein, wenn ER nicht mehr da sein wird. Und das darauffolgende Gleichnis der Knechte und den ‚fünf Talenten“ bezieht sich dann auf die Ermahnung an seine Jünger, fleißig zu sein und die Gute Nachricht vom Gottesreich nicht zu vergraben.

 

Es ist spät geworden. Sie sparen sich lt. den Aufzeichnungen im Lukas-Evangelium den Weg nach Bethanien und übernachten auf dem Ölberg, mit Blick auf den so von ihnen geliebten Tempel der Heiligen Stadt. Die Erklärungen der Vorzeichen des Endes des Tempels und der Welt, die Ermahnung zur Achtsamkeit und zum Fleiß, die langen Diskussionen mit den Schriftgelehrten ... das wühlte alle noch einmal auf und ich bin persönlich der Auffassung, dass dieser Dienstag der Karwoche, der theoretischste wie auch mental anstrengendste Tag der letzten Wochen für die Jünger war. 

 

Mit Blick in den Sternenhimmel und den von den Gestirnen angeleuchteten Tempel dauerte es wohl eine Weile, bis sie an diesem Dienstagabend einschlafen konnten ... 

 

Bleiben Sie nachdenklich!  Ihr Waldemar Grab

 

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