"Unser Hund beißt nicht, Herr Grab ...!"

 

 

„Unser Hund beißt nicht, Herr Grab!!“ ...

 

... die Entwarnung der Hausherrin, bei der ich während meiner Evangelisation nächtigen durfte, schallte laut zum Gartentor hinüber. Es klemmte, doch mit mit knapp 100 Kilo Stemmkraft und einer kleinen Nachhilfe mit dem Fuß ging es auf. 

„Das Tor klemmt ein wenig!“, rief sie, nachdem sie mich hantieren sah und während ich mit Koffer und Arbeitstasche beladen, ein „Bin-schon-drin“ zurückrief, hing ich schon wieder fest.

Ein auf den Gehweg überhängender Rosenstrauch hatte mich begrüßend umklammert und so war ich erst einmal mit mir und meiner Erlösung beschäftigt. Könnte ein schöner Einstieg in die Predigt werden, dachte ich.

Doch als ob die Gastgeberin Gedanken lesen könnte, rief sie: „Mein Mann ist noch nicht dazu gekommen, die Rosenstöcke zu beschneiden ...!“ - „Macht doch nichts, gnä´Frau, bin ja gleich bei Ihnen ...“, rief ich zurück. Das „gnädige Frau“ hatte ich mir während meiner Zeit auf der Kanzlermaschine so eingebläut, dass ich noch heute darauf zurückgreife. Kanzlergattin Loki Schmidt lachte immer, wenn ich sie so ansprach. „Die gnädige Frau ist zu Hause geblieben, Herr Grab“, sagte sie dann, während ich verständnisvoll nickte. Bis zum nächsten Mal.

 

Doch nun sah ich, dass die Hausherrin auf Krücken stand und entschuldigend ein Gipsbein ins Bild gerückt hatte. Und während ich weiter bemüht war, mich aus den letzten Dornen herauszuwinden, vernahm ich aus den Augenwinkeln, wie sie, laut schimpfend, zur Seite gedrängt wurde und ein braunes, gewaltiges Etwas in gefühlter Schallgeschwindigkeit auf mich zugerast kam. 

Und wenn ich mit Engelszungen reden würde, ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse dieser Welt ... und wenn ich noch nicht an Gott glauben würde ... dies wäre der Moment, es endlich zu tun! Alles ging wie im Zeitraffer.

Ein riesiger Rhodesian Ridgeback, (so erfuhr ich später), sprang freudig jaulend an mir hoch und wir waren sofort auf Augenhöhe. Eine Pfote auf meiner rechten Schulter, die andere auf der linken, schauten wir uns an. Dabei ließ er hechelnd ein 30 cm langes, feuchtes Etwas aus dem Maul hängen. Ich ließ meine Taschen fallen und kraulte den Rücken dieses Wirbeltieres, als wenn ich ein Leben lang nichts anderes gemacht hätte. Der Kampf zweier Sumo-Ringer hätte nicht spannender sein können.

Sein Mundgeruch war schlechter als meiner und ich war rasch bemüht, das Monster wieder zurück zur Erde zu beordern. 

Die Tage vergingen wie im Flug. Pluto und ich wurden Freunde, auch wenn mein Predigtanzug hier und da Sabberspuren vorwies. 

 

Wieder einmal bewahrheitete sich der prophetische Spürsinn meines damaligen Lehrers für Neues Testament: „Als Evangelist, Waldemar, schläfst Du ständig in fremden Betten und lebst gefährlicher, als der gemeinhin normale Mensch.“

An Dinosaurier-Flughunde hatte er dabei sicher nicht gedacht, eher an die Anfechtungen, die ein Verkündiger erlebt.

Und wenn ich lese, wie oft die biblischen Verkündiger ausgepeitscht und geschlagen wurden, aus einem Schiffbruch heil herauskamen und am Ende (auch) keines natürlichen Todes starben, kann ich mich nicht beschweren. Was sind da die paar Besucher-Ritzen, Katzen-Tiger und Dino-Hunde, die mit mir das Nachtleben teilen ...

Mittlerweile bin überzeugt, dass der Feind, in welcher Gestalt auch immer er auftritt, nicht zubeißen kann, weil Gott ihn bändigt. Ich weiß um die Achtsamkeit im Leben, aber auch um Gottes Hilfe, Fürsorge und Bewahrung in seinen Diensten.

Doch aufgeben wird Satan deshalb nicht. Er spielt mit mir, weil er genau weiß, dass mich bestimmte Prozesse ermüden und von meinem ursprünglichen Vorhaben abbringen werden, nicht nur in der Stille am Morgen. 

Viele dieser täglichen Zeitfresser sind sanfte Verführungen des ‚Altbösen‘ geworden, dem es damit immer wieder gelingt, meine A-Prioritäten im Leben als Christ herabzustufen. 

Ach, und was Pluto angeht, der wollte wirklich nur spielen. wg

 

Waldemar Grab (62), Verlagskaufmann, Journalist, christlicher Liedermacher. Kanzlerbegleiter, Traumschiffpianist, Prediger. Seit 2006 Musik-Evangelist im Missions- u. Sozialwerk Hoffnungsträger e.V., Hartenfels/Ww. In der PERSPEKTIVE schreibt er über Beobachtungen und Erlebnisse während seiner Verkündigungsdienste, die seinem BLOG "Evangelikalikus" entnommen sind.

 

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