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Ist Stillstand wirklich gleich Rückschritt?

„Und Paulus sah in der Nacht eine Erscheinung: Da stand ein Mann aus Mazedonien und bat ihn: 'Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!' Und nachdem er die Erscheinung hatte, da versuchten wir sofort nach Mazedonien zu reisen, denn wir waren sicher, dass Gott uns dorthin berufen hatte, ihnen dort das Evangelium zu predigen." 

Apostelgeschichte des Lukas, Kp. 16,9-10

 

 

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Man lernt im Laufe der Jahre, dass man sich während eines Dienstes im Ort A voll und ganz auf die Situation dort konzentriert. Alles ist herzlich und geschwisterlich, Menschen kommen zum Glauben oder sind offen für weitere Gemeindeveranstaltungen. Doch kaum ist man wieder auf der Autobahn, sind die Gedanken auf den nächsten Ort (B) ausgerichtet. Man überlegt, was man vorbesprochen hat, wer zur Zielgruppe gehört und welche örtlichen Besonderheiten es eventuell gibt, mit der man einsteigen könnte. Und nach drei Tagen zieht man weiter. Das gleiche Procedere beginnt mit Veranstaltungsort C.

Erst wenn man wieder zu Hause ist, oder ein paar Tage Leerlauf zwischen den Tagen hat, kann die Seele nachkommen. Man verarbeitet das Erlebte, bringt es vor Gott und bittet in aller Ruhe um Segen für die Menschen, die man hinter sich gelassen hat.

So oder so ähnlich ist es, wenn alles gut läuft. Wenn es nicht läuft, ist die gedankliche Blockade recht groß, wenn man nahtlos weitermacht mit den Diensten an Ort B und C. Doch was will man machen? Es muss weiter gehen, alle organisatorischen Vorbereitungen sind abgeschlossen, man wartet!

 

Paulus ging von Ort zu Ort und machte weiter. Auch dann, als der Heilige Geist ihm den Weg verwehrte, den er so gerne eingeschlagen hätte. Er war keiner, der den Stillstand mochte. Selbst in den Gefängnissen blieb er standhaft, selbst in der Folter evangelisierte er und der Gefängniswärter kam mit seiner ganzen Familie zum Glauben (Apg 16, die Folge nach dieser Erscheinung).

Nein, der Heilige Geist hatte ihm zwar den Weg nach Asien und Bithynien verwehrt, doch diese kleinen Richtungsänderungen machten ihm nichts aus. Und doch: Es scheint, dass die Erscheinung, die Paulus in der Nacht hatte, zum rechten Zeitpunkt kam, denn so ganz glücklich war für den Macher und Entscheider die gegenwärtige Situation möglicherweise nicht. Nach der Stärkung der Gemeinden rund um Derbe und Lystra, wo viele auch zum Glauben kamen, wollte er unbedingt nach Asien. Doch der Heilige Geist verwehrte dem Apostel die Reise. So zog er mit den Gefährten durch Phrygien und Galatien. Und als sie in Richtung Bithynien weiterreisen wollten, ließ der Heilige Geist dies ebenfalls nicht zu. (Anm.: Die Orte sind mit näheren Hinweisen verlinkt, sollten Sie sich für die geografische Lage interessieren).

 

Und wo heute die Mahner immer wieder auf Ruhe und Besinnung vor Gott hinweisen, gehörte Paulus zu der Gattung von Alpha-Männern, für die es voran gehen musste. „Das Evangelium muss laufen“, war seine Devise, doch die Wettkampfregeln mussten eingehalten werden. Nur er verwandte diesen Begriff aus dem Sport. Und so entschied der Apostel, gehorsam zu sein. Von Troas hatte der Heilige Geist ja nichts gesagt, also schlugen sie diese Richtung ein und dort hatte er dann in der Nacht die obige Erscheinung. 

 

Erfolg erleben, im Sinne von gesegneten Diensten; 

Stillstand, im Sinne von "Nichts tut sich gerade“.  

Warum innehalten, wenn Gott nichts aufzeigt, es kommen auch wieder gesegnete Tage. Also weitermachen. Neue Wege finden ...

Verbote, in denen Gott eindeutig Türen schließt und unsere Werke nicht bestätigt.

Wer erlebt das nicht. Gehorsam, das ist das, was Gott von uns fordert, wenn er uns Wege weist. 

Paulus folgte dem Verbot des Heiligen Geistes - und änderte die Richtung.

Bis Gott ihm zeigte, wo es hingehen soll und sandte ihm in der Nacht ein Zeichen: Die Erscheinung des Mannes aus Mazedonien, der um Hilfe rief.

 

Erfolg, Stillstand, Verbote, Zeichen, neue Wege.

Fast jeder Verkündiger kennt diese Variablen. Sie zu erkennen, setzt die 'disziplinierte Wahrnehmung' voraus, die da heißt: Im Geist zu leben und den Willen Gottes zu erkennen.    wg

 

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