Die Spinne "Fussel" ... Eine Fabel

Einleitung zur Predigt im Wildpark Gackenbach im Westerwald,

am 19.08.2018

 

Ich habe Euch heute eine kleine Fabel mitgebracht.

Eine Fabel ist eine kurze Geschichte, in der vor allem Tiere menschliche Eigenschaften bekommen oder auch menschlich denken oder handeln. 

Meist endet solch eine Geschichte mit einem überraschenden Schluss - nachdem es dann wieder analytisch-sachlich wird.

 

>> Es war einmal eine Spinne. Mit dem Auge des Menschen betrachtet, sah sie nicht besonders schön aus. Sie hatte acht Beine, 

die alle mit kleinen Härchen versehen waren und wenn man auf ihren Körper draufschaute, war da so was wie ein Kreuz, und man musste überlegen, wo vorne oder hinten war.

 

© Foto: HTR-Lizenz/AdobeStock_47802355

Spinnen-Mama hatte sie damals, als sie noch klein war, immer „Fusselchen“ genannt, weil sie sich in dem Haus, wo sie wohnten, von den Staubflöckchen unter dem Bett immer kleine Fusselbälle gedreht hat, mit denen sie dann spielte.

Die Staubfusseln blieben dann an ihren behaarten Beinchen hängen und sie sah dann selbst aus, wie ein einzig großer Fussel, aus dem zwei Augen rausschauten.

 

Als Fusselchen älter wurde, sah sie zwar nicht mehr aus, wie ein Fussel, aber alle nannten sie noch so. Das heißt, ohne das
"-chen" am Ende, denn "-chen und -lein machen alles klein". So hatte sie es einmal gelernt - und jetzt war sie ja groß.

Ihr persönliches Interesse galt der Fortbildungsliteratur für Spinnen und sie las alles, was ihr unter die Finger ... äh ... Spinnenbeine kam, so dass Spinnen-Papa sie manchmal auch „Professor Fussel“ nannte.

 

Manchmal nahm sie an Versammlungen teil. Gerade in der letzten Woche fand am Giebel des Gartenhauses, wo sie wohnte, eine „Spinnen-Versammlung“ statt, dort ging sie hin. Sie ging gerne zur Versammlung.

Da trafen sich alle und man erfuhr immer wieder Neues. Vor allem die Spinnengemeinschaft wurde durch die Anwesenheit gestärkt und immer wieder gab es neue Redner, die ihr Wissen weitergaben.

 

Aufmerksam hörte sie auch dieses Mal zu, bis der bekannte Redner von der Kraushaar-Vogelspinnen-Vereinigung sagte:

"Die Welt, liebe Spinnenfreunde, ist anders geworden. Gefährlicher, egoistischer und voller falscher Ideologien.

Ihr müsst euch anpassen und mit Allem aufhören, was euch belastet. Entledigt euch eurer Rückständigkeit und konzentriert euch auf das Wesentliche. - Und vor allem: beginnt mit der Rationalisierung!“

 

Fussel überlegte, was das heißen könnte und klopfte nervös mit Spinnenbein Nr. 2 auf den Holzbalken.

Der Redner schaute zu ihr herüber und erklärte:  

„Ich meine damit, alle Arbeitsabläufe zu verbessern, die uns ein besseres Spinnennetz und eine höhere Mücken-Fangquote bescheren. Alles was unnütz ist und Ballast, weg damit. Jeder Faden , der zu viel am Netz ist- weg damit!"

 

Der Vorwurf, rückständig zu sein, machte Fussel unruhig. Als sie nach Hause kam, sah sie sich sofort ihr ganzes Netz an, das sie am Fenster zum Garten hin vor einigen Tagen gesponnen hatte. Sie kletterte von Faden zu Faden ... aber keiner war ihrer Meinung nach überflüssig. Jeder schien für ihre Arbeit dringend notwendig. Auch die anderen Spinnen, die sie zu Rate holte, konnten nichts anderes sagen, als dass ihr Netz perfekt war.

 

Die Spinne war ganz verzweifelt, weil der Redner in mehreren Fortsetzungen immer wieder auf das Thema zu sprechen kam. Und die ganzen Artikel, die Fussel las, wurden plötzlich auch immer moderner und riefen dazu auf, das Alte hinter sich zu lassen. Und so prüfte sie wieder und wieder, was vielleicht diesen „Ballast“ ausmachen könnte, den sie wegwerfen sollte.

 

Und dann fand sie plötzlich die Lösung: Sie sah auf diesen einen Faden, der kerzengerade nach oben lief und den sie eigentlich schon länger im Visier hatte. In diesem Faden hatte sich, so lange sie denken kann, noch nie eine Fliege verheddert.

Er hing nur da, und verlief nach oben ... oder nach unten. Je, nach dem, von wo sie schaute.

 

Spinnen-Mama und Spinnen-Papa hatten es ihr so beigebracht, mit diesem Faden zu leben. Aber ehrlich gesagt: Nun hatte sie verstanden, was unrationell bedeutet. Der Faden half nicht bei der Futtersuche, sondern nahm nur Platz weg und verbrauchte Energie. - Also weg damit! 

Und so kletterte Fussel nach oben und biss - nach einem leichten Zögern - den Faden einfach ab.  ...  Und mit einem kleinen Geräusch, einem Windhauch ähnlich, fiel das Netz in sich zusammen und wurde nur noch von ein paar schwachen, selbstgewebten Seitenarmen gehalten.

 

Schreck, lass nach! DAS war der Faden, an dem das ganze Netz aufgehängt war!
© Foto: HTR-Lizenz/AdobeStock_5714306

Zu tiefst erschrocken baumelte Fussel an einer Rettungsleine hin und her, die sie blitzschnell nach oben ans Holz geschossen hatte -   und weinte. „Ich bin ein Idiot“, flüsterte sie vor sich hin. Dass war der wichtigste Faden überhaupt! Der ist nicht zum Fliegen fangen da, sondern um mein Haus und mein Leben sicher und fest zu halten! Die Eltern hatten es ihr immer wieder erklärt. Es ist der Schöpfer aller Spinnen und übrigen Tiere, der die Hand über sie hält und mit diesem Faden für uns Spinnen ein Zeichen setzt!  -  Traurig zog Fussel sich drei Tage in eine Nische im Gemäuer zurück um nachzudenken. Sie aß und trank die ganze Zeit nichts. 

Doch dann krabbelte sie wieder nach draußen, - sie gähnte und streckte sich und wusste: Ein Neuanfang musste her, schließlich hatte sie ja auch Hunger.  Und so fing sie an, ihr Netz ganz neu zu spinnen. Links rum, rechts rum, unten rum - oben rum ... Doch das allererste, was sie wob, war der Faden, der von oben senkrecht nach unten verlief- um all das zu halten, was ihr neues Leben ausmacht.

 

Schluss ... Diesen Faden wird sie in Zukunft hegen und pflegen ... und vor allem hat sie sich geschworen, nicht mehr gleich auf jeden neumodischen Zug aufspringen, der an ihr vorbeifährt. Und sei es noch so ein wichtiger 

>> Kraushaar-Oberspinnen-Zugdirektor <<, der ihn fährt.

 

-.-.-.-.-

 

Ich kann mir gut vorstellen, dass manch einer beim Hören dieser Geschichte Parallelen gezogen hat.

Das Elternhaus gibt einem dies oder jenes mit auf den Weg - und nach einer Weile der Selbständigkeit merken wir: Es gibt auch noch Alternativen, zu dem, was wir mitbekommen haben. Wir machen es einfach mal anders.

 Und dann macht man es anders ... erst zaghaft ... dann komplett ... und sogar der Faden, der in der Familie noch alles zusammenhielt, diese helfende Hand Gottes, ... selbst die wird dann irgendwann gekappt.

Man merkt, dass alles in sich zusammenfällt und die Schuld haben ganz schnell immer andere.

 

Nichts anderes will uns diese Geschichte sagen, nämlich, dass wir uns mühen können, wie wir wollen ...

dass wir uns umschauen können, in allen Ideologien und neuen Strömungen ... 

 dass wir in aller Freiheit durchaus auch mal was ausprobieren dürfen ... (prüfet alles - und behaltet das Gute!)

Doch wie in aller Welt willst Du wissen, was das Gute ist, wenn Du Jesus nicht kennst?

 

Und dass wir uns auch ein kleines Imperium aufbauen dürfen, wie unsere Freundin „Fussel“ übrigens, ... ... die mittlerweile über drei aneinanderhängende Netze verfügt ... - sogar mit einer Äquator-Linie über alle Netze hinweg, so dass sie jede Vibration sofort mitbekommt. Und sie teilt jedem ihre Erfahrung mit, dass dies nämlich nur funktioniert, weil sie regelmäßig die Sicherheitsleine nach oben kontrolliert ... und ..., wenn nötig ... ausbessert ... <<   © WG/HTR e.V.

 

... Fortsetzung / freie Rede - Basics des Glaubens

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Roland Ludwig (Sonntag, 19 August 2018 21:10)

    Ein gutes Beispiel für Kinder in Fom einer Fabel. Und vergleichbar nur so gibt der christliche Glaube dem Leben den notwendigen Halt.