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Safety First! - PERSPEKTIVE 07/2018

Der Flug nach München verlief unruhig. Trotz meiner mehr als 20.000 Flugstunden war er alles andere als Routine und zu allem Überfluss fielen neben der Wackelei nach einer halben Stunde auch noch die gelben Sauerstoffmasken aus den Panels oberhalb der Sitze. Ein Zeichen, dass es einen möglicherweise lebensgefährlichen Druckabfall in der Kabine gibt und die Sauerstoffversorgung zum Gehirn so schnell wie möglich wieder hergestellt werden muss.

Ich kürze das Szenario einmal ab und kann Ihnen berichten, dass es sich um einen technischen Defekt handelte. Und so blieb ich ohne Kaffee und Leckerlis während des übrigen Fluges fest angeschnallt sitzen. Unter baumelnden Sauerstoffmasken aus dem Fenster schauend, von Luftloch zu Luftloch springend, sinnierte ich über meine Zeit als Chefsteward der Kanzlermaschine in der Ära Schmidt/Genscher nach.

Monatelang waren wir darauf getrimmt worden: Was ist, wenn die Masken fallen und du stehst gerade direkt neben dem Kanzler? In 30.000 Fuß Flughöhe hast du nur Sekunden, bis du ohne Sauerstoff ohnmächtig wirst. Also: Was machst du?

Sagst du höflich: „Bitte, Herr Bundeskanzler, nach ihnen“, oder greifst du sofort zu und nimmst ihm seine Maske weg?  

Die Regel lautet bis heute unverändert: „Safety first! - Sicherheit zuerst!“

Und auch wenn es ungewöhnlich klingt: Ich muss der Erste sein, der die Maske zu sich zieht, auch wenn es die des Kanzlers ist! 

 

Aber mal wirklich: Muss ich tatsächlich so egoistisch vorgehen und zuerst an mich denken?

Ja, muss ich. Weil ich den Passagieren in Notsituationen zur Seite stehen und das Leben retten muss,

so wie ich das als Crewmitglied all die Jahre drillmäßig gelernt und monatlich aufgefrischt habe.

Und das kann ich nur, wenn ich nicht selbst der erste bin, der nach 20 Sekunden bewusstlos wird.

Zuerst also die eigene Sauerstoffzufuhr sicherstellen und atmen, erst dann die weiteren Masken

unverzüglich den Passagieren zuführen, ihnen beim Anlegen behilflich sein und beruhigend auf sie einwirken.

 

Heute, 40 Jahre später, wende ich dieses „Safety First“ in meinen Bibelarbeiten und Predigten an und

denke damit explizit an die Gläubigen. „Ich zuerst“, - eigentlich ein krasses Gegenstück zur

gebotenen Nächstenliebe, könnte man meinen. 

 

Doch als Crew-Mitglied der Fluggesellschaft die Notfall-Checkliste in- und auswendig zu kennen, ist das eine.

Als Kind Gottes die Grundlagen seines Wortes zu kennen, um sich nicht nur selbst zu schützen, sondern auch anderen ein guter Ratgeber zu sein, das ist das andere. Das Wichtigere.

Wie kann ich Menschen geistlich helfen, wenn ich als „Bodenpersonal Gottes“ die Bibel nicht kenne und nicht damit umzugehen weiß, es nie wirklich gelernt habe, mit ihr Hilfestellungen zu geben, um in der Not beruhigend helfen zu können? Was, wenn wegen Unkenntnis und falschem (seelsorgerlichen) Ehrgeiz Gespräche irgendwann im Bla-bla bei Kaffee und Gebäck verlaufen, weil das, was wirklich Ewigkeitswert hat, beim Helfenden gar nicht abrufbereit ist? Kurzbibelschulen und Seelsorge-Kurse für Jedermann gibt es mittlerweile in ganz Deutschland. Ich kann es nur empfehlen.*  

„Safety first“ heißt auch: "Trachtet zuerst... nach dem Wort Gottes, nach dem Reich Gottes, nach Gerechtigkeit ... so wird uns alles zufallen, was wir in den Hilfestellungen für andere brauchen." (*nach  Matthäus 6,33)  /wg

 

Fotos: HTR-Lizenzen für "Masken": AdobeStock_121339960; "Checklist": AdobeStock_191289430; "Bibelstudium": AdobeStock_6969678 

Evangelikalikus - Artikel aus meinem BLOG finden Sie in jeder Ausgabe der Zeitschrift PERSPEKTIVE. Dieser ist in der Ausgabe Juli/August 18 zu lesen.

 

 

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