"Druckfehlerteufel" in der Bibel?

In den letzten Jahrhunderten kam es bei den Übersetzungen von Bibeln oder Bibelteilen immer wieder zu Satzfehlern.

Gerade beim "Wort Gottes" sprach man dann vom "Druckfehlerteufel", der sich eingeschlichen habe.

 

Nun, es gibt in der Tat einige historische Fehler, bei denen man im Nachhinein nicht mehr erkennen oder recherchieren kann, ob es die Absicht des Setzers war oder es sich tatsächlich um menschliches Versagen handelte. Grundsätzlich kamen die Fehler jedoch deshalb vor, weil die Druckereien sich keine Lektoren leisten konnten und vom Drucker bis zum Chef alle mal "auf das Manuskript schauten", um Fehler rechtzeitig vor Drucklegung auszumerzen.

 

Die gravierendste Flüchtigkeit ist wohl der königlichen Druckerei von "Robert Barker and Martin Lucas" in England passiert. Sie hatte in der Ausgabe ihrer Wicked-Bibel von 1631 ein Wort weggelassen, so dass es in den Zehn Geboten hieß: "Thou shalt Committee adultery" (Foto links) - "Du sollst ehebrechen". Die Druckerei musste daraufhin eine Geldstrafe von 300 Pfund zahlen.                                                                          

Quelle: Kirche und Ketzer, Wege und Abwege des Christentums, S. 194; Herausg. Thomas Hägg. In nicht weiter belegten Quellen hieß es, dass sie daraufhin den Bankrott anmelden mussten. Bis zum heutigen Tag wird diese Bibel die "Adulterous Bible“ (Ehebrecher-Bibel) genannt. 

 

Einige Internet-Quellen berichten, dass die Druckerei Barker & Lucas anschließend Bankrott anmelden musste.

 

Das paradoxe an dieser Geschichte ist nun, dass die Biblia, deutsch, 1731, Canstein, 34. Auflage Halle Waisenhaus auf

S. 102 denselben Fehler machte: In Exodus 20,14 ist in der deutschen Ausgabe zu lesen: "Du solt ehebrechen" (Foto rechts). Die Auflage wurde eingestampft, doch nicht alle Exemplare fanden den Weg zurück. Unter anderem wurde den Besuchern der Herzog August Bibliothek diese Stelle so häufig gezeigt, dass diese Seite gänzlich abgegriffen ist.

Quelle: Heiko Reiniger: Biglia Deutsch, 1983, S.228.

 

Hans Carl Alfred de Boer (* 13. April 1925 in Hamburg; † 30. März 2017 in Duisburg) war ein deutscher Gemeindemissionar und Pastor mit internationalen Reisediensten und Erfahrungen. Er erzählte, dass sich ein Missionar in mühevoller Detailarbeit daran begab, das Vaterunser in die Sprache eines afrikanischen Stammes zu übertragen. Er schrieb es auf und seine "Schäfchen" lernten es brav und beteten es regelmäßig jeden Sonntag im Gottesdienst. Einige Jahre später besuchte ein Sprachforscher diese Region und vernahm staunend, wie die Farbigen beteten: "... und erwisch und nicht, wenn wir sündigen".

Natürlich hatte der Missionar es anders gemeint, nämlich dem Ursprung entsprechend: "...und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen" (Anm.: Eine Übersetzung, die bis heute in der Diskussion ist, weil der Schöpfer seine Schöpfung nicht versucht. wg).

De Boer erzählt weiter, dass in einem indischen Dialekt eine nicht minder drollige Verwechslung geschah: An allen Stellen, an denen vom »himmlischen Vater« die Rede war, hieß es wörtlich »der himmelblaue Vater«. Und bei den Dagomba, einem Stamm in Nordtogo, erfuhr man in der Weihnachtsgeschichte zur großen Überraschung, daß Maria und Josef im Hühnerstall übernachten.

 

Günter S. Wegener* schreibt: >> Aber in vielen Fällen fehlen einfach die Begriffe. Die Sprachen reichen nicht im mindesten für all das, was die Bibel zu sagen hat. "Mir kommt es so vor", seufzt ein Missionar der Eskimo-Mission, »als müßte ich die Neunte Symphonie von Beethoven auf der Mundharmonika blasen! Mir fehlen an allen Ecken und Enden die Worte, und was noch schlimmer ist, den Eskimos fehlen die Begriffe. Wie soll ich ihnen sengende Hitze, quälenden Durst, Wüstensand und Heu schrecken, wie geschichtliche Ereignisse und historische Persönlichkeiten, wie Löwen, Krokodile, Palmen und Granatäpfel erklären, von den Gedanken des gelehrten Paulus, von Vergebung, Gnade, Erlösung ganz zu schweigen! Ja, ich kann nicht einmal von Christus als dem >Lamm Gottes< sprechen, denn sie kennen keine Lämmer!« Nun, in diesem Falle wußte sich besagter Missionar zu helfen: Er schrieb von dem "kleinen Seehund Gottes".<<

*Quelle: "6000 Jahre und ein Buch", von Günther S. Wegener, 13. Auf. 1999, S.166

 

In einer der ersten gedruckten englischen Bibeln stand in Psalm 119,161 statt: "Fürsten haben mich verfolgt ohne Ursache", "Drucker haben mich verfolgt ohne Ursache". Auch hier könnte man durchaus an einen Scherz des Setzers glauben, doch es wurden schlichtweg die englischen Wörter princes und printers verwechselt.

 

Ein drastischer Fehler schlich sich in das Matthäus-Evangelium ein, das für die Indianer auf Neuschottland in der Indianersprache herausgegeben wurde. Zufolge eines einzigen falschen Buchstabens lautete der Text in Kap. 24,7 nicht mehr: "Denn es wird sich Nation wider Nation erheben.", sondern: "denn es wird sich ein Paar Schneeschuhe gegen ein Paar Schneeschuhe erheben." Auf dieses Endzeitzeichen hätten die Indianer allerdings lange warten müssen. Der Druckfehler wurde in der Zwischenzeit behoben.                 Quelle: Erwachet, 8. August 1948

 

„Druckfehler in der Bibel waren im 17. und 18. Jahrhundert relativ häufig“, schrieb die Zeitschrift Bible Review, „aber das heißt nicht, daß sie auf die leichte Schulter genommen wurden.“ Beispielsweise wurde während der Herrschaft Karls I. eine Bibel veröffentlicht, die später die „Fool Bible“ (Torenbibel) genannt wurde. In Psalm 14 änderten die Setzer versehentlich ein Wort. Infolgedessen hörte sich der erste Vers so an: „Der Tor sagt in seinem Herzen, es gibt einen Gott.“

Das brachte ihnen eine Geldstrafe von sage und schreibe 3000 Pfund ein.

 

Ähnlich war es bei der „Sin-On-Bible“ (Sündige-weiter-Bibel) aus dem Jahr 1716. Jesus sagte zu dem Mann, den er geheilt hatte: “Sin no more” (sündige nicht weiter); hier gab es jedoch einen Buchstabendreher mit gegensätzlichem Sinn:

“Sin on more” (sündige weiter).

 

Und dann wäre da noch die „Vinegar Bible“ (Essig-Bibel) aus dem Jahr 1717. Darin ist Lukas, Kapitel 20 überschrieben mit: “The parable of the Vinegar” (das Gleichnis vom Essig) statt richtig: “The parable of the Vineyard” (das Gleichnis vom Weingarten).

Quelle: Erwachet 22.02.1999, S.28

 

 

In diesem Sinne hoffe ich, dass Sie ein druckfehlerteufelfreies Exemplar von Gottes Wort in Gebrauch haben!

 

Zusammengestellt von Waldemar Grab

 

 

 

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