Interview mit der Zeitschrift "Mitternachtsruf" / 07.2018

 

 

Das Gespräch führte René Malgo

 

«Ich bin ein Lukas-Fan!»

 

Ein Gespräch mit dem Musikevangelisten und ehemaligen Traumschiff-Pianisten Waldemar Grab

über weggepfefferte Gideon-Bibeln, bewegende Lieder, nachdenklich stimmende Bücher und

Büroaufräumen vor der Wiederkunft des Herrn Jesus. 

 

Wie sind Sie zum Glauben gekommen?

Ich bekehrte mich im Alter von 46 Jahren, nachdem ich zwei Jahre in der Bibel gelesen habe, die in den Hotels dieser Welt liegt.

Es geschah auf dem ehemaligen ZDF-Traumschiff, die MS Deutschland, wo auch in der Schublade der Luxuskabinen eine Gideon-Bibel zu finden war. Besagte zwei Jahre lang las ich intensiv, pfefferte die Bibel manchmal auch in die Ecke und holte sie später immer wieder heraus.

Es war ein spannendes Unterfangen, zumal die erste Geschichte, die ich aufschlug, der in der Apostelgeschichte geschilderte Schiffbruch des Apostels Paulus war. Zu jenem Zeitpunkt waren wir gerade unterwegs in Richtung Malaysia, wo ich in einem billigen Hotel wohnte und in anderen Glaubensrichtungen zuhause war. Nach zwei Jahren Bibelstudium musste ich jedoch sagen: DAS ist das, was ich suche. Und daraufhin sprach ich an Deck dieses Luxusschiffes, das sicherlich vielen Lesern bekannt ist, zum ersten Mal in meinem Leben richtig mit Jesus und bat Ihn, mein Leben zu übernehmen.

 

Als Musiker haben Sie viele Lieder gespielt. Welches hat Sie am meisten berührt?

Es gibt eine Menge Lieder, die ich mochte – ob das «Die Wut über den verlorenen Groschen» ist oder andere klassische Stücke. Richtig zuhause bin ich allerdings im Swing. Ich möchte jedoch ein geistliches Lied nennen, das mich sehr bewegt hat. Der deutsche Text ist von Anton Schulte. «O Gnade Gottes wunderbar», aus dem Englischen «Amazing Grace». Es dauerte eine Weile, bis ich erkannte, was Gnade überhaupt ist, und dann, als ich es begreifen durfte, da dachte ich: Das ist es! Und wenn man sich dann noch den Hintergrund des Liedes vergegenwärtigt, da der Verfasser des englischen Originaltextes Kapitän eines Sklavenschiffes war … Es berührt mich jedes Mal, wenn ich dieses Lied singe oder spiele.

 

Wenn Sie sich für ein einziges Buch aus der Bibel entscheiden müssten, das Sie auf eine einsame Insel mitnehmen könnten, welches wäre das?

Dürfen es auch Zwei sein?

 

Ja, schmuggeln Sie ein zweites mit. 

Ich bin ein großer Lukas-Fan. Sein Intellekt beeindruckt mich, vor allem, wenn ich seinen beruflichen Hintergrund bedenke. Deshalb würde ich gerne das Lukas-Evangelium und die Apostelgeschichte des Lukas mitnehmen. Psalmen lese ich jeden Tag einen und aus den Sprüchen auch täglich ein Kapitel. Ich hänge an der ganzen Bibel, seit ich sie kennengelernt habe. Es wäre schlimm, wenn ich nur ein Buch daraus mitnehmen könnte. 

 

Zum Glück müssen wir das nicht wirklich. 

Ja, es gibt aber Länder, wo einem die Bibel weggenommen wird. Einige Gläubige besitzen keine Bibel und lernen alles auswendig. Ich habe Leute kennengelernt, die zum Beispiel den ganzen Philipperbrief auswendig konnten. Da möchte ich gerne hin, aber das werde ich wohl nicht mehr schaffen. Ich bete darum, dass nicht nur ich, sondern wir alle die Bibel haben. Und wenn alle Menschen die Bibel haben, dann kommt Jesus wieder. 

Welches Buch, abgesehen von der Bibel, hat Sie im Leben sehr geprägt?

Ein bemerkenswertes Buch ist «Das glücklichste Volk: Sieben Jahre bei den Pirahã-Indianern am Amazonas» von Daniel Everett.

Es handelt davon, dass ein Missionar in den Urwald zog, um einen Stamm zu missionieren. Im Laufe der Zeit übernahm er dann aber selbst die Lebens- und Glaubensformen der Ureinwohner und hängte das Christentum an den Nagel. Das hat mich sehr bewegt und mich fragen lassen, welche weltlichen Maßstäbe da gewirkt haben müssen. Mit welchen Mitteln hat hier der Teufel versucht, diesen Mann von Jesus Christus wegzubringen? Ich habe das Buch mehrmals gelesen und es als eine Warnung für mich betrachtet. Nach wie vor bin ich anfällig für die Dinge, die in der Welt geschehen, weil ich aus der Welt komme. Und obwohl Christus mich von allem befreit hat, bleibt diese Gefahr bestehen. 

Parallel dazu lese ich zur Zeit «Die Welt ohne uns» von Alan Weisman.

Er beschreibt, wie die Welt aussehen würde, wenn’s uns Menschen plötzlich nicht mehr gibt. Was passiert mit den Häusern, der Natur, mit den Tieren, die sich vermehren und anders entwickeln? Es ist kein christliches Buch, aber wenn man es als Christ liest, dann wird einem die Bedeutung von: «Macht euch die Welt untertan», wieder ganz neu bewusst. Ohne uns kann die Welt nicht funktionieren. Wir sind die Ordner der Erde. Das funktioniert natürlich nur vollkommen richtig, wenn wir Christus haben, aber insgesamt zeigt dieses Buch, dass es ohne den Menschen nicht geht. 

Gibt es in der Kirchengeschichte eine Person, die für Sie eine besondere Vorbildfunktion hat?

Die Kirchengeschichte war schon im Theologiestudium eines meiner Lieblingsfächer. Schon immer wollte ich Geschichte studieren, hatte aber keine Zeit dazu, weil meine Berufe mich immer so eingespannt haben. Inzwischen gehe ich jedoch jedes Jahr mit einem Luther-Konzert auf Tour; letztes Jahr waren besonders viele Auftritte. Ich spiele den Luther als One-Man-Theaterstück (Anm.: s. Foto), und singe und spiele dazu seine Reformationslieder; ich muss sagen, dass Gott hier einen Mann zum genau richtigen Zeitpunkt benutzt hat, um die Reformation zu starten. Man denke nur an den Gutenberg-Druck. Das begeistert mich. Ja, Luther hatte eine derbe Sprache und schlug auch manchmal über die Stränge, aber das ist nur menschlich. Wer hat diese Schwächen nicht von uns? Ob er’s nun zugibt oder nicht. - Von Luther habe ich heute noch den Morgen- und Abendsegen übernommen. 

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie das Versprechen des Herrn Jesus hören: «Ja, ich komme bald!»?

Da fühle ich mich wie Hans-Peter Royer, der auch immer Angst davor hatte, dass er noch nicht alles erledigt hat, bevor Jesus kommt. Die menschliche Seite bei mir sagt tatsächlich: Ich habe noch so viel zu erledigen. Ich würde gerne erst einmal mein Büro aufräumen, alle meine Briefe beantworten, dieses oder jenes abhaken. Das ist zwar verrückt, aber als erwachsener Mann denke ich immer zuerst an das «Rationale», und nicht sofort: Es wäre schön, wenn meine Eltern oder diese und jene noch zum Glauben kämen. Da muss ich an mir arbeiten, dass in meinem Denken die Reihenfolge stimmt. Und mir kommt in den Sinn, dass es in meinem Umfeld immer noch Menschen gibt, die mich belächeln. Ich habe weiterhin viele Freunde in der High Society, wie’s so schön heißt, und diesen würde ich bei unseren Treffen gerne immer wieder neu und mit Nachdruck vermitteln, dass es ein Leben danach gibt, und zwar in zwei Richtungen. Ich mache es zwar, aber nicht mit dem Hintergrund, dass Jesus morgen kommen könnte.

  

Wenn Sie genau den Zeitpunkt der Wiederkunft des Herrn Jesus wüssten, was würden Sie tun?

Ich betreibe keinen Ackerbau, sonst würde ich natürlich ein Apfelbäumchen pflanzen. Aber wenn ich es wüsste, würde ich wohl Briefe und Emails schreiben, Kontakte pflegen und sagen: «Liebe Leute, Ihr müsst Euch heute entscheiden …» Wahrscheinlich würde ich dann wegen Aufruhr ins Gefängnis wandern. Aber ich würde Kontakt aufnehmen zu so vielen Freunden wie möglich und zu den Menschen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, und ihnen sagen, wie wichtig es ist, in diesem Leben die Entscheidung für Jesus zu treffen. Danach gibt es keine Chance mehr. 

 

Waldemar Grab, (61), Verlagskaufmann, Journalist, Chefsteward der Kanzlermaschine unter Altbundeskanzler Helmut Schmidt, Redenschreiber div. Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, war im Shopping-Center-Management tätig sowie Präsident des Deutschen Pianistenverbandes. Er machte sein Hobby, das Klavierspielen, zum Beruf und war in 87 Weltreisen auf dem ZDF-Traumschiff MS Deutschland als «Showpianist» tätig. Nach Umwegen über verschiedene Religionen entschied er sich nach dem Lesen einer Bibel für den christlichen Glauben, hing sein 5-Sterne-Leben an den «Nagel», studierte an div. christlichen Ausbildungsstätten (TSR, BFU, BTS etc.) und schreibt heute keine Schlager mehr, sondern christliche Lieder. Waldemar Grab ist seit 2006 Leiter des Missions- u. Sozialwerkes Hoffnungsträger e.V., das er noch während dem Besuch der Bibelschule mit 20 Freunden gründete.

 

Hier gehts zurück, zur Gesamtübersicht des Blogs

 

Hier gehts zur Übersicht der Montagsimpulse

Kommentar schreiben

Kommentare: 0