Wer die Geister ruft ...

Das Evangelium ist im Fluss. Noch nie schien es so wertvoll wie heute zu sein, und noch nie hatten

wir so viele Möglichkeiten, die frohe Botschaft in so vielen Varianten zu hören oder zu lesen!

Ob wir die Bibel dabei als Leder-Goldschnitt in Händen halten, als Studien-Ausgabe oder als Paperback für 2,50 €, ist nicht wirklich bedeutend.

Neulich traf ich auf einen betagten Prediger, dessen Bibel völlig zerfleddert war. Er hatte Mühe, dass die einzelnen Blätter während seiner lebendigen Predigt nicht zu Boden fielen. Fasziniert schaute ich ihm vom Klavier aus zu. Ich bekenne: Diese alte Bibel mit der verloren gegangenen Bindung im Buchrücken, die hielt mich ganz schön im Bann. Des Predigers persönliche Bindung zu Christus hatte dabei übrigens in keiner Weise Schaden genommen! Ich vermutete, dass er für nichts auf dieser Welt sein Buch der Bücher gegen ein neues, moderneres eingetauscht hätte.

 

Wie geht es uns doch gut, was den Konsum von Gottes Wort angeht, oder nicht? Das sind doch paradiesische Verhältnisse, in denen wir leben! Gottes Wort in jeder Größe, jeder Form, für jeden und für jeden Anlass in unzähligen Verlagen und Verlagsgruppen.

Leben ist mehr! – Und wir, die wir das wissen, nutzen am Morgen unser Losungsbüchlein, unzählige andere Stille Zeit-Heftchen, Fach- und Sachbücher in Hülle und Fülle; gehen zum Gottesdienst und zur Bibelstunde, fahren zum Hauskreis und einer uns gefälligen Auswahl christlicher Sonderveranstaltungen, besuchen Konzerte und Vorträge – und das alles in aller Freiheit!

 

Wir hören und gucken ERF und Bibel TV, Hope-Channel und Anixe; erbauen uns bei der Fernseh-Kanzel aus Hamburg, finden Antworten bei Bayless Conley und lauschen einem überzeugenden Ulrich Parzany.

Wir erhalten Wegbegleitung bei Charles Stanley, wundern uns über Joseph Prince, haben Freude an der Kabbelei von Ruth Lapide und Henning Röhl – und vor dem Zubettgehen machen wir noch kurz einen Abstecher zu Joyce Meyer, auch wenn viele Letzteres beim Leben ihrer Großmutter niemals zugeben würden. 

 

Genau DAS ist das aktive Christenleben des deutschen Michels im 5-Sterne-Status von der Couch aus. Das gute Gewissen wird zum seligen Ruhekissen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man nichts mehr tun kann gegen all diese Berieselung. Wie hat es Paulus in Hebräer 2,1 formuliert: „Lasst uns umso

mehr auf das Wort achten, das wir hören (und lesen), damit wir nicht am Ziel vorbei treiben!“

Klingt prophetisch. Will sagen: besser nicht einfach alles inhalieren und denken: Bei diesem Sender oder jenem Verlag kann ja nichts schief gehen.

 

Als Konsument des Gotteswortes auf Dienstreisen, das ich in Hotelzimmern auf der Suche nach geistlichem „Schwarzbrot“ oft über iPad-Streams konsumiere, merke ich: Sogenannte christliche Liedermacher treiben zunehmend schmerzhaft am Ziel vorbei, gestandene Moderatoren führen in christlichen Sendungen häufig nur noch Bla-bla-Runden und so mancher, der sich in der sog. evangelikalen Szene aus eigenen Gnaden berufen fühlt, veröffentlicht über die sozialen Medien beschämende Statements zu Politik, Gesellschaft und der Meinung anderer.  Wie soll man sich davor eigentlich schützen? (Rhetorische Frage).

 

Ich glaube, dass es am Ende eine Sache des Heiligen Geistes ist, der zu unserem Geist Klarheit redet,

damit wir (nach Paulus) nicht am Ziel vorbei treiben und alles konsumieren, nur weil halt dieser eine christliche Sender oder jener eine Großverlag es sendet oder veröffentlicht . 

Hoffen wir, dass wir die Geister, die wir rufen, zunehmend gut unterscheiden können. Und wie könnten wir es besser, als mit einem zweischneidigen Wort Gottes?   wg    

Foto: HTR - Lizenz, AdobeStock_110347752

 

 

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